Brücken bauen

Die Rolle vertikaler Entwicklung in einer gespaltenen Gesellschaft

Ich finde, wir leben in einer unglaublich Zeit, oder? Noch nie zuvor hatten wir so viele Möglichkeiten, unseren eigenen Weg zu gehen:

  • Berufswahl
  • Bildungsweg
  • Hobbys
  • Lebensstil
  • Wohnort

Wenn mich irgendein Thema interessiert, fast egal welches, dann finde ich dazu online nahezu unbegrenzt Inhalte und Kurse.

Oder vielleicht habe ich selbst eine kreative Seite. Dann kann ich meine Ideen und Werke auf Knopfdruck mit Millionen von Menschen auf der ganzen Welt teilen.

Und wenn ich mich selbstständig machen möchte, muss ich noch nicht mal vom Sofa aufstehen, um ein neues Unternehmen zu gründen.

Völlig absurd, oder? Nur mal zum Vergleich:

Mein Opa kam aus einem kleinen Dorf mit nicht mal 5.000 Einwohnern, aber dafür einem großen Kraftwerk von RWE. Damit war eigentlich schon alles entschieden: er ist in dem Dorf aufgewachsen, hat dort meine Oma kennengelernt, hat bei RWE die Ausbildung gemacht und sich die Karriereleiter hochgearbeitet bis er schließlich in Rente gegangen ist, um dann in dem Dorf mit meiner Oma den Rest seiner Zeit zu verbringen.

Zwischen meinem Opa und mir liegen gerade einmal zwei Generationen, und mein erster Gedanke wäre: Wow, Das könnte ich gar nicht, das wäre mir zu langweilig! Allein der Gedanke an so ein Leben ist für viele heute unvorstellbar.

Aber hier ist die entscheidende Frage:

Machen uns diese ganzen Wahlmöglichkeiten wirklich glücklicher? Oder fühlen wir uns davon oft eher überfordert. Denn mehr Optionen zu haben heißt auch mehr Entscheidungen treffen zu müssen. Und kann es sein, dass diese schiere Menge an Optionen auch zu einer stärkeren Polarisierung unserer Gesellschaft führt?

Meine Name ist Martin Mai, ich bin Co-Founder von shiftspace, und die Antwort darauf ist leider: "ja".

Natürlich, mehr Optionen bedeutet, unsere Rolle und Freiheit als Individuum wird gestärkt. Das klingt erstmal fantastisch. Bis wir feststellen, dass diese Freiheit auch einen Preis hat: Den Verlust des Gemeinschaftsgefühls.

Als Kind kannten meine Eltern und ich alle 50 Familien auf der Straße. Man hat zusammen gespielt, sich auf Festen getroffen und auch schon mal aufeinander aufgepasst. Heute wohne ich einem Mehrfamilienhaus mit 150 Parteien, und kenne nicht einmal die Menschen in den Wohnungen direkt mir. Das mag wie eine Anekdote klingen, ist aber leider ein häufiges soziales Dilemma. Je größer die Stadt, desto einsamer die Menschen.

Was hinter dem Dilemma steckt, ist oft eine Spannung zwischen der eigenen Selbstverwirklichung und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

Bei shiftspace sprechen wir auch von einer "Polarität", weil beide Seiten zwar gegensätzlich, aber gleichzeitig auch miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.

Unabhängigkeit hat in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert, dass wir dafür sogar unser fundamentales soziales Bedürfnis nach Zugehörigkeit unterdrücken. Die Betonung liegt hier auf "unterdrücken", denn nur weil wir das Bedürfnis ignorieren, geht es nicht einfach weg.

Schlimmer noch: Je länger das Gefühl von Zugehörigkeit ausbleibt, desto öfter suchen wir (oft unbewusst) nach Alternativen, die uns das Gefühl scheinbar geben können. Das machen sich nicht nur Medien und Politik, sondern auch extreme Gruppen zunutze, indem sie noble Ziele, einfache Lösungen und vor allem ein Gefühl von Gemeinschaft versprechen.

Ist das Verlangen groß genug, dann blenden wir die negativen Aspekte aus, und es bilden sich Informationsblasen. So lange meine Ansichten bestätigt werden, habe ich ein Gefühl von Zugehörigkeit. Hast du eine andere Meinung, dann bist du eine Bedrohung für meine Zugehörigkeit, und meine Identität ist in Gefahr. Die Polarisierung ist abgeschlossen.

Und jetzt? Wie können wir wieder Brücken bauen?

Und mit "wir" meine ich nicht einfach das große kollektive "wir", bei dem sich hinterher niemand verantwortlich fühlt. Ich meine uns hier:

  • mich selbst
  • die Dame mit der roten Bluse
  • den Herren in der dritten Reihe
  • meine Kollegin

Wir müssen da anfangen, wo es am schwierigsten ist, aber wo wir den größten Einfluss haben: Bei uns selbst

Es gibt ein schönes Sprichwort:

"Bevor du einen Menschen verurteilst, gehe zuerst eine Meile in seinen Schuhen."

Bei shiftspace arbeiten wir daran, die eigenen inneren Kompetenzen durch vertikale Entwicklung zu stärken:

Wir lernen, unsere emotionale Reaktion auf kontroverse Themen zu verstehen, und besonnen zu bleiben, auch wenn wir mit Meinungen konfrontiert werden, die stark von unseren eigenen abweichen.

Wir lernen, verschiedene Gefühle, Gedanken und Perspektiven zu erkennen, und anderen Menschen mit Empathie und Verständnis zu begegnen, auch wenn diese anders denken als wir selbst.

Wir lernen, Lösungen zu entwickeln, die die Bedürfnisse verschiedener Gruppen berücksichtigen, um Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken und praktikable Kompromisse zu finden.

Indem wir an uns selbst arbeiten, entwickeln wir auch die Gesellschaft am effektivsten weiter. Denn für Brücken braucht es solide Fundamente.

Wenn euch das Thema interessiert, oder ihr neugierig seid, wo ihr in eurer eigenen Entwicklung steht, dann kommt bei uns am Stand vorbei: C.07 im Start-Up Area

Wir haben einen kurzen Test gebaut, mit dem ihr Einblicke in euer eigenes Kompetenzprofil erhaltet, das euch maßgeschneiderte Ratschläge gibt, wie ihr euch weiterentwicklen könnt, um besser mit Komplexität und Ungewissheit umzugehen.

Danke, und bis gleich!